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Kevin Söll

Darum ist Marc Guilliard aus Deutschland ausgewandert

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Heute habe ich Marc Guilliard vom Bitcoin Hotel zu Gast. Jemanden, der, ich würde mal sagen, für mehrere Dinge bekannt ist. Einerseits natürlich sein Bezug zu Bitcoin, aber auch andererseits seine, ich sag mal, teilweise eher kontroversen Meinungen und genauso sein Lifestyle als digitaler Nomade. Ich hätte ungelogen fünf Stunden mit Marc quatschen können, weil es einerseits wirklich Spaß gemacht hat, aber auch andererseits, weil er wirklich sehr interessante Ansichten hat. Aber ich möchte mal nicht zu viel vorwegnehmen. Viel Spaß dabei!

So, Marc, erst mal danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich habe so viele Fragen, ich weiß gar nicht, wo ich starten soll. Aber lass uns vielleicht mal ganz vorne starten, so mit deinem Bitcoin-Hintergrund. Wann und wie genau bist du auf Bitcoin gestoßen? Wo hat das bei dir angefangen?

Ja, also da gibt es gar nicht so den einen Moment. Da gibt es ja ganz viele Leute, die haben so eine ganz klasse Story. Keine Ahnung, ich war auf dem LSD-Trip, Pilztrip, und dann kam auf einmal Bitcoin oder so. Aber bei mir war das so graduell. Es ist mal da aufgepoppt, mal da aufgepoppt. Dann hat meine Schwester damals, das muss 2016 oder so gewesen sein, sich mit Kryptowährungen auseinandergesetzt und dann Ethereum gekauft. Und das haben die irgendwie über Facebook gekauft. Also nicht mal auf einer Börse, sondern über Facebook irgendjemandem Geld geschickt. Dann haben die da Ethereum oder so was bekommen. Und dann wollte ich das wissen, habe es aber am Anfang gar nicht gecheckt. Dann habe ich es wieder vergessen und wieder ignoriert.

Und irgendwann, so 2018, 2019, war dann das erste Mal, wo ich richtigen Kontakt dazu bekommen habe. Und dann bin ich auch glücklicherweise direkt zu [unverständlich], Bitcoin Standard, gekommen. Habe mir dann das Buch, glaube ich, in ein, zwei Tagen durchgelesen. War komplett fasziniert. So viele Fragen in meinem Leben hat Bitcoin dann irgendwie beantwortet, auf die ich davor irgendwie keine Antworten hatte. Und es hat einfach so viel Sinn gemacht.

Und dann ging es halt so weiter. Das war eine graduelle Journey. Und dann, so wie du das ja vielleicht auch kennst von anderen Leuten, kam eins zum anderen. Man hat vielleicht mal die ersten Bitcoin gekauft. Ich habe jetzt mittlerweile alle Bitcoin wieder verloren beim Boots-Unfall und beim Vulkan-Unfall. Aber man hat halt mal die ersten Bitcoin geholt. Und dann geht man halt in diese Story rein und dann geht das Rabbit Hole auf.

Okay, Bitcoin verloren. War das jetzt gerade ein Witz, oder hast du es gemeint?

Pampel, du kennst das Meme nicht mit dem Boots-Unfall?

Ach so, okay. Ich dachte gerade schon: Okay, habe ich da irgendwie eine Story verpasst? Okay, passt.

Ich meine, es ist halt auch relevant, wenn du jetzt, denke ich mal, in Europa offiziell Bitcoiner bist, ist es halt nicht so geil, weil da massiv Enteignungen kommen, meiner Einschätzung nach. Das heißt, die wollen die Börsen kontrollieren, nicht nur Bitcoin. Die wollen natürlich erst mal an das Kontovermögen, dann an die Immobilien, solche Geschichten. Ich meine, wir steuern auf einen Krieg zu. Das ist halt nicht unbedingt die beste Ausgangslage.

Ich sage mal, wenn man jetzt hier in El Salvador ist, dann kann man schon auch sagen: Hey, ich habe jetzt Bitcoin oder so. Aber wenn ich jetzt in Europa wäre, dann würde ich jetzt nicht unbedingt mit meinem Bitcoin-Stack rumprahlen, weil das, sage ich mal, sehr, sehr interessant ist für sehr, sehr viele Geier, die jetzt kommen werden. Weil das ja auch selbstverständlich ist: Wenn ein System am Fallen ist, dann geht man halt auf die Leute, die noch irgendwas haben. Und wenn man selber nichts mehr herstellen kann, wenn das System selber schon bankrott ist, ja, okay, dann muss man es halt von den Letzten holen, von den Reichen, von den Bitcoinern und so weiter.

Das ist ja auch vielleicht das Nächste, was jetzt kommen könnte: dass dann halt irgendwann die Bitcoiner als die Buhmänner dargestellt werden für das fallende Finanzsystem, für den fallenden Euro. Da sagt man dann: Ja, okay, das sind die Leute, die Kapitalflucht betreiben. Und das ist eigentlich der Background, warum ich immer sage: beim Boots-Unfall verloren oder beim Vulkan-Unfall verloren oder so.

Weil es meiner Einschätzung nach nicht so toll ist, sich einfach auf die Brust zu schreiben. Da gibt es ja von Ledger so eine Cap oder so, die man sich kaufen kann, oder so eine Kette, die man sich umhängen kann: Hey, ich habe zehn Bitcoin oder so. Es ist halt, ich meine, die zehn—wenn du selbst nur 0,1 Bitcoin hast—der 0,1 Bitcoin kann in zehn Jahren, ich weiß nicht, eine Million wert sein oder vielleicht etwas weniger.

Aber das ist etwas, das viele unterschätzen: diese explosive Power von Bitcoin nach oben über einen längeren Zeitraum. Und wenn man dann halt einfach leichtfertig mit seinem Bitcoin rumprotzt, glaube ich, ist das aktuell nicht so der geilste Move.

Bin ich ganz deiner Meinung. Also auf einmal diese Ledger-Cap oder sonst was. Also auf die Idee käme ich wirklich nicht. Da muss ich mir wirklich den Kopf kratzen, ob ich so was mache. Aber gut. Du hast vorhin erzählt: 2018, 2019, oder habe ich es richtig?

Ja, 2018, 2019, das war so der Zeitpunkt mit Bitcoin, wo das ein bisschen angefangen hat.

Wann kam dann bei dir der Zeitpunkt, dass du gesagt hast: Hey, ich muss jetzt tatsächlich einen eigenen YouTube-Kanal starten? Nicht irgendeinen YouTube-Kanal, sondern einen YouTube-Kanal, wo ganz dick im Namen drinsteht: Bitcoin Hotel. Wie kam es dazu?

Genau, es war ja dann so: Ich bin zu Bitcoin gekommen und dann war es so: Ich sagte, okay, Bitcoin, geil. Und dann so: Aber hä, es gibt ja auch noch ein Familienunternehmen bei uns in der Familie. Und es war halt ein Hotel, ein klassisches Familienhotel mit 50 Zimmern. Und dann habe ich mir halt gedacht: Bitcoin Hotel, kann man da nicht vielleicht auch irgendwas machen?

Dann habe ich angefangen, das Hotel so ein bisschen zu hyper-Bitcoinisieren. Meine Mutter war manchmal noch skeptisch. Dann habe ich sie zur Seite geholt und habe gesagt: Mama, wir müssen jetzt voll auf Bitcoin umstellen. Scheiß auf alles andere. Wir machen jetzt Bitcoin Hotel.

Und dann gab es ja zuerst das wirklich physische Bitcoin Hotel, also wo man auch hingehen konnte: Bitcoin-Themenzimmer, Satoshi-Bar und so weiter, wo wir Bitcoin-Events gemacht haben. Und dann kamen halt ganz, ganz viele Gäste. Und ich habe halt immer mit den Gästen geredet. Und irgendwann habe ich festgestellt: Das sind so krasse Leute, die hierherkommen. Warum nicht einfach eine Kamera danebenstellen und das allen Leuten broadcasten?

Das war natürlich am Anfang sehr, sehr unprofessionell und einfach so: Ja, einfach mal ausprobiert. Ich hatte nie irgendwie eine Ausbildung oder irgendwelche professionellen Workshops oder so. Das ist alles Trial and Error. Einfach mal ins Blaue hineingestartet, und dann kam das gar nicht so schlecht an. Aber vor allem hat es mir saumäßig Bock gemacht. Und dann habe ich halt immer weitergemacht.

Am Anfang vor allem Interviews. Auf einmal habe ich dann Einzelvideos gemacht. Und dann irgendwann sind noch andere Themen dazugekommen. Und jetzt habe ich halt einen ganz gut funktionierenden YouTube-Kanal.

Mega spannende Story. Das heißt, Bitcoin Hotel: Ihr habt dann auch Bitcoin als Zahlung quasi für irgendwelche Buchungen akzeptiert?

Ja, wir waren das erste Hotel der Welt, das Bitcoin-Zahlungen angenommen hat, glaube ich. Oder auf jeden Fall waren wir das erste Bitcoin Hotel der Welt. Nein, das erste Hotel, das Bitcoin-Zahlungen angenommen hat, glaube ich nicht. Aber das erste Hotel mit einem Bitcoin-ATM, das erste Bitcoin Hotel—es ist ja natürlich auch eine Frage, wie man das definiert.

Und ja, da sind natürlich immer sehr, sehr viele Bitcoiner gekommen, haben auch teilweise mit Bitcoin bezahlt. Natürlich nicht alle, aber schon auch viele.

Darf ich mal fragen, wie das ankam, mit Bitcoin zu zahlen? War das ein reibungsloser Prozess oder war das doch mit sehr viel Reibung verbunden?

Am Anfang war es tricky. Wir hatten einen eigenen Node und so weiter. Da hat es noch ein bisschen gehapert. Irgendwann sind wir dann zum BTC-Pay-Server umgestiegen. Dann war es kein Problem mehr.

Ich meine, man muss ehrlich sein: Die meisten Leute haben einmal mit Bitcoin bezahlt. Dann haben sie gesehen, es funktioniert. Und beim nächsten Mal haben sie wieder die Kreditkarte rausgeholt. Ich meine, man will halt doch seine Shitcoins loswerden. Und die Bitcoin, die hat man nicht.

Ja, ich und El Salvador auch so. Ich meine, die ganzen Amis, die kommen dann, die zahlen einmal mit Bitcoin. Dann sehen sie, es funktioniert, und beim zweiten Mal dann wieder mit Kreditkarte.

Aber es gibt auch hier in El Salvador viele Leute, die wirklich auf dem Bitcoin-Standard leben. Ich kenne auch hier Leute, die sind debankt. Die haben gar keine Konten mehr. Oder ich sage mal, ich kann schon hier wirklich sehr, sehr viel. Es gibt auch zirkuläre Ökonomien hier. Natürlich nicht überall. Aber die machen dann halt alles in Bitcoin.

Und das Ding ist ja auch einfach: Die Möglichkeit zu haben, ist ja auch schon sehr, sehr viel wert. Und es geht auch nicht vor allem darum, jetzt mit Bitcoin zu bezahlen, sondern es geht darum, Leute mit ähnlichen Werten wie du anzuziehen.

Das heißt, es ist ja ein Statement: Ich akzeptiere Bitcoin. Es ist ein Statement: Ich bin vielleicht gegen einen korrupten Staat. Ich bin für die Trennung von Geld und Staat. Ich bin für Friedensgeld und nicht für Fiat-Geld, mit dem man nachher wieder Krieg finanziert. Und diese ganze Geschichte.

Das heißt, du setzt dir ja so etwas wie ein spirituelles Statement, wenn du das Schild auf dein Business machst: „Yo, Bitcoin akzeptiert.“

Absolut, ja.

Was ist jetzt aus dem Hotel geworden? Bist du da immer noch involviert? Ist das nach wie vor das Bitcoin Hotel?

Ja, meine Mutter und meine Schwester managen das, muss man aber auch sagen. Es ist aktuell im Verkaufsprozess.

Okay. Also ist es einfach die wirtschaftliche Lage in Deutschland, auch ein Nachfolgeproblem?

Das heißt, meine Mutter ist jetzt alt. Ich will es nicht übernehmen, weil, sage ich mal, ich meine Zukunft nicht in Deutschland sehe. Ich sehe da, sage ich mal, nicht so viel Potenzial. Können wir nachher noch darauf eingehen. Und dementsprechend macht es einfach nicht so viel Sinn, das Ganze weiterzumachen. Deshalb sind wir da gerade im Verkaufsprozess.

Aber es ist ein sehr, sehr profitables Unternehmen. Also wir haben eines der wahrscheinlich profitabelsten Hotels in ganz Deutschland, weil es komplett digitalisiert ist. Es ist sehr, sehr effizient. Man braucht sehr, sehr wenige Mitarbeiter. Man kann mit wenigen Mitarbeitern sehr, sehr viele Zimmer managen. Es ist eigentlich so eine absolute Cash Cow.

Aber ich sage mal, trotzdem muss es natürlich jemand betreiben. Meine Lebensaufgabe ist nicht, da irgendwie Zimmermanagement in einem Hotel zu machen, sondern meine Lebensaufgabe ist, hier in El Salvador zu sein, in der Natur, in der Sonne und nicht in Deutschland, wo wahrscheinlich jetzt bald die Lichter ausgehen.

Das merkt man auch wirklich. Das ist einfach der Vibe, wenn ich mit dir spreche. Jetzt nicht nur im Interview, auch schon vor dem Interview, was du ausstrahlst. Das merkt man einfach, dass du genau da, wo du gerade bist, in El Salvador, da hingehörst. Also so ein Gefühl. Das merkt man. Das kommt wirklich rüber.

Cool, spannend. Das heißt, das Hotel hat dann mit der Kamera und so weiter schlussendlich zum YouTube-Kanal geführt. Was hast du denn da vorgemacht? Also ich habe mal irgendwas gehört. Ich weiß nicht, ob das korrekt ist, dass du als DJ teilweise unterwegs warst. Ist das korrekt?

Ja, ich habe ganz viele Sachen gemacht. Als ich jung war, da war ich so ganz arg im professionellen Handball. Da war ich dann so auf dem Übergang in den professionellen Handballsport.

Danach habe ich tatsächlich E-Sports-Bundesliga gespielt. Das heißt, Pro Evolution Soccer. Da habe ich die ganzen Türken abgezockt und habe da tatsächlich Bundesliga gespielt, also ganz, ganz hoch.

Danach war ich als DJ unterwegs, habe auf Festivals gespielt, habe in großen Clubs gespielt. Auch als Produzent war ich unterwegs. Meine Tracks kamen immer noch. Die konnte man damals bei MediaMarkt und so kaufen. Man findet sie immer noch irgendwo auf Beatport oder in irgendwelchen iTunes-Playlists und so, kann man, glaube ich, sogar immer noch kaufen.

Müsste ich mal gucken, was eigentlich mit den Gewinnen passiert. Aber es kauft so—niemand wird sich wahrscheinlich das Label einstecken.

Und irgendwann habe ich halt gemerkt: Dieser DJ-Lifestyle, das passt auch nicht so. Dann bin ich nach Südfrankreich gegangen, hatte da so zwei Jahre Auszeit oder, ich weiß nicht, zwei, drei Jahre oder so. Habe da auch sehr, sehr zurückgezogen in der Natur gelebt. Dann bin ich tatsächlich wieder zurück ins Hotel gekommen und über das Hotel dann nach El Salvador. Und das ist so ganz grob mein Lebenslauf.

Mega spannend. Und jetzt gerade sitzt du in El Salvador. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, bist du auch aus Mexiko geflüchtet. Das heißt, du bist ja offiziell ausgewandert. Wie kam es dazu mit der Auswanderung? Was waren da so deine Beweggründe, dass du gesagt hast: Mir reicht es, ich gehe?

Du meinst jetzt von Deutschland oder von Mexiko?

Von Deutschland, genau.

Ja, also im Endeffekt kann ich dir jetzt ganz, ganz viele Argumente liefern. Ich kann jetzt wirklich eine Stunde lang einen Vortrag darüber halten, warum Deutschland, sage ich mal, wirtschaftlich, spirituell und gesellschaftlich wahrscheinlich in massive Verwerfungen hineinläuft.

Aber im Endeffekt ist es immer eine intuitive Entscheidung gewesen. Ich bin immer jemand, der sehr, sehr stark seiner Intuition gefolgt ist. Ich bin immer sehr stark connected gewesen. Kann man natürlich auch anders nennen. Manche nennen das ihr Herz, ihre Intuition, Eingebung oder whatever.

Und ich wollte eigentlich auch schon immer mal in den Tropen leben. Ich meine, meiner Einschätzung nach ist der Mensch dazu prädestiniert, in den Tropen zu leben. Das ist der einzige Platz, wo man wirklich nackt in seiner natürlichen Form gedeihen kann. Die Früchte wachsen direkt am Baum, durch die beste Vegetation und so weiter.

Das ist meiner Einschätzung nach das beste Klima für den Menschen, wo er keine Heizung braucht, wo er einfach das ganze Jahr irgendwie sein kann. Und ich hatte schon immer diesen Traum.

Und dann hat es mich halt einfach aus Deutschland herausgezogen, weil Deutschland halt einfach, sage ich mal, ein untergehendes Schiff ist. Ich meine, mittlerweile hat es, glaube ich, auch der Letzte kapiert, selbst die Leute, die in Deutschland sind. Man muss schon sehr, sehr blind sein, um das Ganze zu ignorieren, was in Deutschland passiert.

Wir haben einen massiv übergriffigen Staat. Wir haben eine extrem hohe Staatsquote. Individualität und Freiheit werden absolut gar nicht geschätzt. Ich weiß, du bist digitaler Nomade. Du kannst ja bestimmt auch ein Lied davon singen.

Ich meine, man will als Unternehmer Gas geben und nicht durch Regulierungen, Steuern und Bürokratie zu Tode reguliert werden. Hohe Steuern, die natürlich on top noch dazukommen. Dann haben wir hohe Energiepreise, eine absolut schlechte Energiepolitik. Die Politik, die kann man sowieso komplett in der Pfeife rauchen.

Jetzt fangen die mit einem großen Krieg an. Friedrich Merz ganz vorne, der neue Kriegspräsident oder der Kriegspräsident der Ukraine. Das heißt, was da passiert, ist einfach so krass.

Und jetzt kommen noch die ganzen bürgerkriegsartigen Zustände dazu. Über Frankreich wird das jetzt wahrscheinlich auch auf andere Länder—davon gehe ich mal sehr, sehr stark aus—überschwappen. Wir haben die Islamisierung, das heißt, wir haben die Umvolkung. Das heißt, wir sehen jetzt, kann man sich mathematisch ausrechnen, irgendwann wird es wahrscheinlich gar keine Deutschen mehr geben.

Dann wird der Kipppunkt in zehn, 20 Jahren sein. Dann werden wir mehr Leute, sage ich mal, Ausländer haben als Deutsche. Und da könnte man jetzt natürlich noch sehr, sehr viel weiter reingehen.

Und ich will jetzt auch nicht sagen, dass El Salvador das Paradies ist oder andere Länder das Paradies sind und so weiter. Wir laufen einfach global in Verwerfungen hinein.

Ich meine, wenn wir auch mal schauen—wird wahrscheinlich nichts Neues für dich sein—wir haben halt auch eine Dollar-Hegemonie, die am Fallen ist. Ein Fifth Turning, in das wir quasi reingehen. Das hatten wir halt schon so oft in der Vergangenheit. Immer diese Geldzyklen, immer 80 bis 100 Jahre, bis halt so eine Währung verfällt.

Und was passiert dann? Dann gibt es halt große Kriege, Verwerfungen, innere Konflikte, äußere Konflikte. Da kann man auch mal bei Ray Dalio schauen. Das wäre sehr gut in „Die großen Schuldenzyklen“ dargestellt.

Und das wird eine globale Verwerfung sein. Aber ich gehe halt davon aus, in diesen Ländern hier, Zentralamerika und Südamerika, wird man viel, viel besser wegkommen. Weil dieses große Kriegsgebiet, also NATO versus BRICS, quasi der große Konflikt, auf den Europa zuläuft und auch die ganze Welt, da haben wir halt nicht so viele Konfrontationspunkte in Süd- und Zentralamerika.

Auch diese digitale Überwachung, CBDC, digitaler Euro und so weiter und so fort: Diese Länder hier, zum Beispiel El Salvador und so weiter, sind noch gar nicht so digitalisiert wie vielleicht Österreich, die Schweiz, Deutschland und so weiter. Das heißt, natürlich wollen die auch hier diese Agenda durchführen. Aber das wird einfach noch mal fünf oder zehn Jahre länger brauchen, bis diese krasse Digitalisierung, diese Überwachung und so hier durchbrechen kann.

Und das sind halt so viele Gründe, die für mich sprechen. Das sind quasi Push-Faktoren. Push bedeutet halt das, was einen aus Deutschland wegzieht.

Und auf der anderen Seite gibt es natürlich die Pull-Faktoren: die Sonne hier, die tolle Natur, die freundlichen Menschen. Hier habe ich auch das Gefühl, hier ist es gefühlt noch so wie vor zehn Jahren, wie ich das noch kenne, wo man einfach in Deutschland auf dem Spielplatz war. Da spielen einfach die Kinder, ohne dass da irgendjemand mit dem Messer herumrennt und ihnen die Kehle aufschlitzt.

Und ohne, dass man da jetzt mit einem Sonderkommando gucken muss, ob es meinen Kindern gut oder schlecht geht. Hier kann man noch auf die Straße gehen. Die Leute sind nicht aggressiv.

In Deutschland haben irgendwie alle angestaute Aggressionen in sich drin, weil diese Depressionen natürlich überschwappen. Und dann sind die alle so angespannt. Und wenn du dann einen falsch anschaust, dann kocht der so gefühlt über und greift dich an. Ich weiß nicht, ob du das schon mal beim Autofahren erlebt hast oder so.

Und ich habe das Gefühl, das ist hier einfach noch einen Tick normaler. Die Leute sind noch gelassener. Sie haben irgendwie Zeit. Sie sind nicht so krass in diesem Hamsterrad gefangen.

Natürlich leben sie sehr, sehr simpel. Die sind, sage ich mal, vom Lebensstandard deutlich niedriger als in Deutschland. Aber meiner Einschätzung nach ist auch das so eine Falle, dass halt viele sich in diesem Lebensstandard zurechtleben und dann vergessen, nach links und rechts zu schauen, wenn man nicht so wohlstandsbetäubt ist.

Roger Köppel hat da mal einen schönen Begriff gehabt: Wohlstandsnarkose. Und da sind wir halt in Deutschland sehr, sehr stark betroffen.

Das heißt, wir ändern oftmals erst etwas, wenn es uns schlechter geht. Und wenn wir in dieser Wohlstandsnarkose sind, dann haben wir halt das große Problem: Wir realisieren gar nicht, dass wir nicht mehr Number One sind. Wir sind nicht mehr das Top-Autoland. Wir sind nicht mehr Mercedes, Porsche, Daimler, sondern wir sind jetzt Drohnenbauer. Wir machen jetzt Kriegsindustrie.

Und wir sind auch nicht mehr das super Wirtschaftsproduktionsland mit einer mega Wirtschaftsproduktivität, sondern so ein verkacktes Land, in Anführungszeichen, wie El Salvador hat eine krassere Wirtschaftsproduktivität mittlerweile als Deutschland.

El Salvador hat mittlerweile eine höhere Sicherheit. Die Mordraten in El Salvador sind besser als in Deutschland, obwohl El Salvador einmal das unsicherste Land der ganzen Welt war. Bukele hat hier quasi die Murder Capital einmal herumgedreht.

Und ihr wollt mir erzählen, dass es Deutschland mit Milliarden, die sie in Rüstung und so was stecken, nicht schafft, die Straßen sicher zu machen? Das ist meiner Ansicht nach ganz klar ein Indiz, dass das Ganze einer Agenda folgt.

Das heißt, es ist gewollt, dass das bergab geht. Es ist gewollt, dass es Kriminalität gibt. Es ist gewollt, dass einfach das Land [unverständlich]. Ich meine, da könnten wir jetzt noch in die Details reingehen. Ich weiß nicht, ob du da reingehen willst, aber das mal, um es ganz grob abzuschließen.

Es gibt diese Pull- und Push-Faktoren. Und unterm Strich, meiner Einschätzung nach, ist meine Empfehlung auch für alle Leute: Wenn ihr jung seid, wenn ihr irgendwie die Möglichkeit habt, flexibel seid oder auch wenn ihr älter seid, dann würde ich mir tatsächlich überlegen, ob Deutschland noch the place to be ist.

Okay, wow, du hast gerade so viele Fässer aufgemacht. Ich habe so viele Fragen. Aber noch mal kurz zu El Salvador: Ich kenne tatsächlich nur die frühere Zeit. Durch die Nachrichten und so weiter habe ich natürlich die Statistiken längst mitbekommen, dass El Salvador mittlerweile so sicher sein soll.

Als ich das letzte und erste Mal dort war, das war damals zur Einführung von Bitcoin. Ich bin nach El Salvador und habe da drei Monate verbracht. Das war irgendwann im September 2021. Und damals war es teilweise noch so, dass es, ich glaube, fünf Tage lang eine Sperre gab, dass man nicht aus dem Haus gehen sollte. Man durfte zwar, aber man sollte nicht, weil irgendwelche Banden in San Salvador Leute abgeschlachtet haben.

Das war damals noch der Stand, quasi eine stille Ausgangssperre. Und wie das heute ist, das ist einfach eine 180-Grad-Drehung. Weißt du, ganz genau, wie ich damals in meiner Bude saß, mit einem mulmigen Gefühl im Bauch: Boah, scheiße, da sterben gerade Leute auf der Straße. Das ist wirklich verrückt.

Aber noch mal, ich will ganz kurz zurückkommen zu dem Punkt. Du hast mir extrem viele Gründe zur Auswanderung genannt und so weiter. Du hast allerdings auch gesagt, okay, das war eher etwas Intuitives. War das bei dir tatsächlich eher ein gradueller Prozess, also etwas, was sich langsam, aber sicher angebahnt hat? Oder gab es diesen einen Moment, wo du gesagt hast: So, jetzt reicht's, das Fass ist übergelaufen, ich packe meine Koffer, ich gehe?

Also es war schon so: Natürlich ist alles irgendwie graduell, unterbewusst baut sich das schon ein bisschen auf. Aber es war so: Ich war im Urlaub in El Salvador, habe mir das angeschaut. Und dann bin ich zurückgereist und war mir relativ schnell sicher. Und das habe ich auch relativ schnell entschieden. Es war dann auch wirklich eine Entscheidung. Und einen Monat später bin ich ausgewandert. Fertig, ciao, Kakao.

Das heißt, ich habe auch immer—weißt du—nicht so ein krasses Attachment. Mein Lebensstil war eh schon immer sehr, sehr, ich würde sagen, so ein Hermit- oder Monk-Lifestyle.

Das heißt, ich hatte kein großes Attachment. Ich habe keine Verpflichtungen, keine Kinder, keine großen Immobilien, nach denen ich jetzt schauen muss. Keine Kreditabhängigkeiten, in denen viele Leute drin sind. Oder dass man in anderen Abhängigkeitsverhältnissen ist. Oder dass man mit dem Kopf irgendwie an einem bestimmten Land festhängt.

Ich war ja auch davor schon mal eine Weile in Frankreich und so. Ich habe auch relativ wenige materielle Dinge. Das Krasseste, was ich habe, ist da drüben jetzt ein Motorrad, also ein Motorroller. Aber ansonsten war ich nie so der Freund, der sich irgendwelche Dinge anhäuft.

Und deshalb war es auch relativ überschaubar. Ich habe nicht meinen Koffer mitgenommen, ich habe nur einen Rucksack, und das ist quasi alles, was ich habe. Und ich lebe daraus.

Und das ist halt etwas, wo viele Leute sagen: Boah, der muss sich ja voll irgendwie—ja, das ist ja so, wie sagt man? Der lebt ja wie so ein, ach, da gibt es so einen Begriff dafür. Fällt mir jetzt nicht ein. Aber der verzichtet quasi, der praktiziert ja Verzicht und verzichtet auf das coole Leben.

Ah, ein Frugalist? Meinst du das?

Ja, nee, nee, nee, nicht Frugalist. Frugalismus fand ich damals auch interessant, aber das hat für mich auch irgendwie nicht Klick gemacht. Ich will ja nicht mit 60—oder ich will: Frugalismus ist ja die Idee, dass ich so viel Geld so schnell auf die Seite spare, dass ich dann mit 40 oder mit 30 in Rente gehen kann.

Aber ich will ja gar nicht in Rente gehen, weil, wenn ich etwas mache, was ich liebe, dann will ich das bis zu meinem letzten Tag machen. Und wenn ich etwas mache, was ich liebe, dann kann ich das ja auch monetarisieren und kann damit Geld verdienen. Da sehe ich kein Hindernis. Deshalb hat Frugalismus für mich auch nie so ganz Sinn gemacht.

Was ich mache, ist kein Verzicht. Minimalismus ist für mich Maximalismus. Wenn ich wenige Klamotten habe, wenn ich nur drei, vier T-Shirts habe, dann muss ich morgen nichts überlegen: Ziehe ich jetzt das T-Shirt an, das T-Shirt oder das T-Shirt?

Wenn ich quasi nur die Sachen habe, die ich wirklich brauche, dann bin ich einfach fokussiert auf die Dinge, die im Leben wirklich zählen: präsent zu sein, hier und jetzt zu sein, gesund zu sein, in Harmonie zu sein, einfach in der Natur zu sein.

Das heißt, man braucht auch wirklich nicht so viel. Ich habe jetzt zum Beispiel hier keine Schuhe an, und nicht, weil ich auf irgendetwas verzichte, sondern weil es mein Leben viel mehr bereichert, weil ich dann mit der Erde connected bin, weil ich geerdet bin.

Und genauso ist es auch bei ganz, ganz vielen anderen Dingen. Unser Leben ist mittlerweile so komplex. Wir häufen uns so, so viele Dinge an. Und das ist auch die große Falle. Dann haften wir wieder an den Dingen und dann geht das Auto kaputt und dann heulen wir und sind gebrochen und verletzt.

Und ja, natürlich: Wenn du an Dingen anhaftest, die ihrer Natur nach vergänglich sind—alles in der Materie ist vergänglich, das Haus, die Frau, die Gedanken, die Emotionen—dann werden die Leute halt nachher wieder enttäuscht.

Und deshalb ist es für mich eine Maximierung des Lifestyles, wenn ich sehr überschaubar lebe, wenn ich sehr simpel lebe. Und das gibt mir halt einfach sehr, sehr viel.

Und ich glaube auch, viele Leute, die auswandern, merken—ich weiß nicht, wie das bei dir ist—man braucht gar nicht so viel. Und vor allem, wenn man noch in diesen wärmeren Ländern unterwegs ist, dann braucht man eigentlich noch weniger. Und weniger ist meistens mehr.

Und in der Einfachheit und in der Simplizität ist auch wirklich ganz, ganz viel Wahrheit und ganz, ganz viel Weisheit. Und ganz, ganz viele Leute, die einem ganz komplexe Wahrheiten verkaufen, zum Beispiel auch das Fiat-System, das ja auch so ein ganz komplexes System ist, oder Steuersysteme oder Politik—so ganz, ganz komplexe Dinge—sind oftmals sehr, sehr weit von der Wahrheit und von Harmonie entfernt.

Synchronisiere dich mit dem Universum, synchronisiere dich mit der Schöpfung. Und das ist einfach etwas ganz, ganz Einfaches, etwas ganz, ganz Simples.

Dieses Anhaften an Dingen, dass wir irgendwelche Dinge sammeln, dass wir uns Autos in der Garage aneinanderreihen, dass wir irgendwelche Awards sammeln, dass wir ein Haus nach dem anderen begehren und so weiter—das ist oftmals, sage ich mal, eine Geisteskrankheit, wo wir einfach an der Materie anhaften und in der Illusion leben.

Wenn ich jetzt noch ein drittes Auto habe, wenn ich noch ein viertes Auto habe, dann geht es mir noch besser. Und wenn ich noch ein fünftes Auto habe und dann noch eine Yacht und dann noch den geilen Urlaub und den Lambo, dann bin ich irgendwann glücklich.

Aber du wirst merken: Du kannst auch noch ein ganzes Land kaufen, du kannst einen ganzen Planeten kaufen, und du wirst immer noch nicht glücklich sein. Die Essenz liegt wirklich im Hier und Jetzt und in der Einfachheit.

Wow. Vor allem gefällt mir das Zitat: „Minimalismus ist für mich Maximalismus.“ Oder Maximalismus. Ja, ich glaube, das hast du gesagt.

Ich glaube, das ist etwas, was die meisten Leute gar nicht nachvollziehen können. Das ist eine Art, wie man sich fühlt, wenn man wirklich nur wenig besitzt. Wenn ich Leuten sage: Ich habe einen großen Koffer, ich habe einen kleinen Koffer, das ist alles, was ich besitze, dann sagen die: Das ist ja voll wenig.

Und ich denke mir noch: Wenn ich ehrlich mit mir selber bin, den großen Koffer mit dem ganzen Zeug, den brauche ich eigentlich auch nicht. Das ist beispielsweise ein Ziel für das nächste Jahr für mich. Ich will ab dem nächsten Jahr nur noch mit Handgepäck herumreisen. Ich habe da keinen Bock mehr drauf. Ich habe viel zu viele Sachen.

Und ja, auch hast du das mit den Autos gesagt. Ich wurde erst vor Kurzem gefragt: „Du, Kevin, wenn du wählen könntest zwischen Mercedes und Porsche, was hättest du gerne?“ Und ich so: „Ich? Gar nichts, gar keins von beiden.“ Das ist für mich einfach nur: Oh Gott, nein, da muss man sich drum kümmern, das geht kaputt. Das ist mir viel zu stressig, ein Auto zu haben.

Aber ja, coole Lebensweise, die du da hast mit dem Minimalismus. Wir haben ja sehr viele Gemeinsamkeiten. Cool.

Wann kam es dann bei dir zur Auswanderung? Ist das jetzt schon etwas, was seit sehr vielen Jahren der Fall ist? Oder war das eher so?

Noch gar nicht so lange. Ich kann es dir ganz genau sagen: 24. Oktober 2024. Was haben wir jetzt? 2026. Also jetzt knapp zwei Jahre.

Und seitdem hat sich aber auch sehr, sehr viel positiv verändert, eigentlich in allen Lebensbereichen. Ob es gesundheitlich, spirituell oder gesellschaftlich ist. Auch familiär. Das denken ja auch viele falsch. Die denken: Jetzt wandert man aus und dann hat man keine Freunde mehr.

Ich finde, die Beziehungen haben sich verstärkt, weil die ganzen Bullshit-Beziehungen wegfallen, die man sowieso nicht braucht. Und was bleibt übrig? Die essenziellen Beziehungen. Und dann wird man auch feststellen: Das sind nicht 200. Die 200 Freunde, die du früher hattest, das war fake, das war Müll. Du brauchst drei, vier, fünf gute Freunde. Das bringt viel mehr als ganz viele Bullshit-Beziehungen.

Auf ganz vielen Ebenen hat sich sehr, sehr viel verbessert. Was aber auch, sage ich mal—wahrscheinlich hätte es sich auch gut entwickelt, wenn ich in Deutschland geblieben wäre. Aber ob es sich dann wirklich so gut entwickelt hätte, weiß ich halt auch nicht.

Weil man halt auch einfach diese Effekte hat. Du musst nicht wirklich der Durchstarter sein im Ausland. Wenn du so einen 08/15-Job hast, dann kannst du dadurch, dass du keine Bürokratie hast, vielleicht steuerfrei lebst und gewisse Benefits hast und dir das Leben leichter gemacht wird, im Ausland viel mehr durchstarten.

Und natürlich ist das jetzt vielleicht nur der finanzielle Aspekt. Aber auch auf den anderen Ebenen: Wenn du natürlich nicht mehr in einem chemtrailverseuchten Gebiet wie Deutschland bist, sondern in El Salvador, wo es fast gar keine Chemtrails gibt und vielleicht auch weniger Umweltgifte, wo es kein 5G gibt, sondern, glaube ich, maximal 4G, wo nachts keine Beleuchtung ist, sodass alles beleuchtet ist—du bist mehr in diesem Circadian Rhythm, also in diesem Tag-Nacht-Rhythmus.

Und du hast einfach bessere Essensqualität, weil die Früchte hier sonnengereift sind. Das ist einfach etwas anderes, wenn du hier in eine Tomate hineinbeißt, die nach einer Tomate schmeckt. Und in Deutschland schmeckt das nach Wasser. Da hast du irgendeine etwas seichte Tomate, die aus Holland kommt, die keine Samen mehr hat, sondern irgendwo in einem Brutkasten gezüchtet wurde oder so.

Das sind einfach verschiedene Faktoren, die sich seitdem sehr, sehr positiv entwickelt haben.

Was man aber dazusagen muss: Man nimmt sich selbst immer mit. Das heißt, Auswanderung ist kein Escape.

Wenn ihr zum Beispiel denkt: Ja, ich habe das Problem in Deutschland, Beziehung schlecht, Frau schlecht, Finanzen schlecht, ich gehe jetzt raus. Was passiert? Im Ausland wird deine Frau halt nicht mehr Silvia heißen, sondern im Ausland heißt sie dann, ich weiß nicht, Svetlana. Wenn du nach Mexiko gehst, heißt sie dann vielleicht Maria oder so.

Und wenn du in Deutschland Probleme mit dem Nachbarn hast, dann hieß der in Deutschland Uwe und im Ausland heißt er dann Pablo oder so. Das heißt, diese Parameter nimmst du immer mit.

Wenn du in Deutschland unglücklich warst, wirst du auch mit sehr, sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Ausland unglücklich sein. Du nimmst immer dich selbst mit. Das ist kein Escape.

Und deshalb: Du hast ja vorher auch über Flucht gesprochen. Das Wort Flucht ist natürlich auch YouTube-Clickbait. „Ich flüchte nach El Salvador“ hört sich einfach besser an als „Ich gehe nach El Salvador“. Das ist natürlich eine Story.

Aber eigentlich darf man nicht wirklich flüchten, sondern eigentlich muss es quasi ein Hinzu sein. Das heißt, du gehst dahin, um dein Leben zu verbessern, um mehr Reichtum, mehr Wohlstand und mehr Gesundheit zu bekommen. Und nicht: Ich haue ab, weil die mich in Deutschland verfolgen, versklaven, besteuern oder enteignen.

Das ist dieser Fluchtmechanismus, der meiner Einschätzung nach nicht so gut funktioniert. Es ist immer besser, wenn du zu etwas hingezogen wirst, als wenn du von etwas wegrennst.

Und einfach auch mal diesen Check mit sich selbst machen, ob man wirklich im Einklang mit sich selbst ist, weil einem sonst auch die ganze Auswanderung relativ wenig bringt.

Das sehe ich genau gleich wie du hier. Cool, zwei Jahre. In den zwei Jahren, wo warst du dann überall? Ich habe Mexiko mal gehört, auch in Interviews. El Salvador logischerweise, Paraguay, glaube ich, auch. Also primär Zentral- und Südamerika, oder wohin hat es dich getrieben?

Genau. Ich war natürlich auch schon im Urlaub in Thailand, Sri Lanka, in verschiedenen Ländern in Asien und so. Ich muss aber sagen, es ist ein Unterschied, ob du irgendwo lebst oder ob du einfach Urlaub machst.

Und ich fand, du bist jetzt auch gerade in Südamerika, von der Kultur her ist Süd- und Zentralamerika doch noch mal viel näher an Europa als Asien. Auch die Sprache schon. Asiatisch—ich bin jetzt nicht so der Pro in Thai. Ich weiß nicht, ob man das überhaupt als Europäer lernen kann. Da muss man, glaube ich, schon ziemlich crazy drauf sein.

Und ich sehe es auch als guten Zufluchtsort für die nächsten drei, vier, fünf Jahre, wenn es richtig scheppert. Und davon gehe ich aus. Wenn wir uns anschauen, wo es in Europa große Kriege gab, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, wäre Südamerika und Zentralamerika schon relativ gut davongekommen.

Natürlich gab es auch immer regionale Konflikte, aber es sind halt einfach relativ uninteressante Orte. Ich glaube sogar, El Salvador ist eines der wenigen Länder weltweit, auf die gar keine Atomraketen gerichtet sind. Hat natürlich auch US-Einfluss, muss man dazusagen.

Theoretisch wäre es weiter unten Richtung Paraguay wahrscheinlich sogar noch einen Tick sicherer. Ich denke, das sind ganz gute Zufluchtsorte.

In Paraguay habe ich auch eine Residency. Wenn es hier noch schlimmer werden würde, könnte ich auch nach Paraguay gehen, was wahrscheinlich sogar noch ein resilienteres Land ist, weil es bessere Nahrungsreserven hat, sich besser selbst versorgen kann und, glaube ich, die zehnfache Menge an Nahrungsmitteln produziert, die überhaupt in Paraguay konsumiert wird.

Da gibt es diesen großen Staudamm, wo auch die ganzen Bitcoin-Miner sitzen. Paraguay produziert für sich und gefühlt noch für fünf andere Länder genügend Energie. Es ist ein sehr, sehr autarkes Land.

Und ja, das heißt, wo war ich? Überall: El Salvador, Paraguay, Mexiko. Einmal bin ich ganz kurz zurück nach Deutschland und einmal kurz nach Portugal. Portugal finde ich ganz gut, aber Deutschland—das hat mir dann schon wieder gereicht. Dieses Jahr habe ich gesagt, gehe ich nicht nach Deutschland. Das habe ich abgesagt.

Mittlerweile muss man sich in Deutschland ja selbst fragen, ob man irgendwann zum Kriegseinsatz eingezogen wird und so. Das könnte ja auch noch kommen. Es gibt viele Faktoren, die mich aktuell nicht nach Deutschland ziehen, sondern bei denen ich sage: Ich bin sehr, sehr froh, dass ich hier sein kann.

Und ich bin auch nicht so der Ultra-Reisende. Viele denken ja: Okay, jetzt wandert man aus und dann muss man im Prinzip alle drei Tage woanders starten. Ich bin meistens ein halbes Jahr da, dann vielleicht ein halbes Jahr dort und dann switche ich wieder. Aber nicht so crazy, dass ich drei Wochen hier, drei Wochen dort und drei Wochen woanders bin. Das ist mir einfach viel zu verrückt.

Ja, geht mir gleich. Also war noch nie meins. Das geht einfach mit zu viel Stress einher. Für mich persönlich wäre es auch nichts, die ganze Zeit herumzureisen.

Aber cool, spannend. Mir geht es ja gleich wie dir. Asien ist im Allgemeinen supercool, irgendwelche Trips zu machen und das Ganze zu bereisen. Aber um dort tatsächlich zu leben, weiß ich nicht. Da ist auch das Thema Kommunikation etwas ganz anderes als in Südamerika, und die Kultur hier—etwas Herzlicheres gibt es einfach nicht.

Die Leute sind so herzlich. Das kann man gar nicht beschreiben, wenn man noch nie dort war. Sprichst du eigentlich Spanisch?

Sí, un poco.

Okay.

Das hilft einem enorm hier. Wenn man ein bisschen Spanisch spricht, dann ist man sofort Teil der Family.

Genau. Und das Geile ist ja: Ich hatte es irgendwann in der Schule, habe dann alles wieder vergessen. Aber Spanisch—du kommst da rein, wenn du zwei, drei Jahre hier bist. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ohne, dass du Spanisch pauken musst, nimmst du es einfach auf.

Wenn du ein bisschen aufmerksam durch den Tag gehst, probierst, dich mit den Leuten zu unterhalten, dann nimmt man das relativ schnell auf. Viele Wörter sind aus dem Deutschen oder Englischen übernommen und so. Meine Grammatik ist beschissen, aber ich kann mich ausdrücken. Ich kenne die Wörter. Man lernt die Wörter einfach ein bisschen durchs Zuhören. Und das finde ich schon ziemlich geil.

Und ja, wie du sagst: Wenn du natürlich Spanisch kannst, wirst du auch noch mal anders integriert.

Absolut. Mir ging es ja gleich wie dir. Spanisch in der Schule gehabt, alles vergessen und später wieder von null gestartet. Auch wenn uns Sprachen im Allgemeinen eher schwerfallen: Spanisch ist echt nicht die schwierigste Sprache zum Lernen. Und wenn man ein bisschen drin ist und sich unterhalten kann, geht es in aller Regel relativ schnell, wenn man dann fortlebt.

Wobei ich das Gefühl habe, dass Spanisch hier in Mexiko und El Salvador noch mal viel einfacher ist als das, was sie in Spanien sprechen. In Spanien sprechen sie so ein schnelles Spanisch. Und auch in Paraguay finde ich das Spanisch schwieriger, weil die teilweise noch so einen komischen paraguayischen Akzent haben. Ich weiß nicht, wie es in Argentinien ist.

Aber das europäische Spanisch ist schon ein Tick anders als hier. Ich habe das Gefühl, hier ist es ein bisschen langsamer, ein bisschen more tranquilo. Und deshalb tut man sich als Noob, als Anfänger, einfach leichter.

Das hat mir damals auch mein Airbnb-Host in El Salvador gesagt: El Salvador habe wohl von allen lateinamerikanischen Ländern das neutralste Spanisch. Deshalb würden bei sehr vielen Filmen die Audios in El Salvador aufgenommen, weil die Leute dort besonders neutral sprechen.

Also ja, kann ich definitiv bestätigen. Dasselbe gilt für Kolumbien. Venezuela ist auch relativ neutral. Aber wenn es Richtung Mexiko geht, kommen ein paar mehr Wörter dazu. Hier in Argentinien ist der Akzent ein ganz anderer. Aber Spanien, ja. Und Chile—von Chile fangen wir schon gar nicht an. Da bist du nicht hinten. Da kannst du noch so gut Spanisch sprechen, du verstehst allerdings keinen Menschen.

Hast du bisher ein Lieblingsland? El Salvador hast du sehr, sehr häufig genannt. Ist das momentan dein Land für die Base?

Ja, das ist schon meine Base, wo ich auch die meiste Zeit verbringe. Aber ich muss auch sagen, Mexiko hat mir gut gefallen. Ich finde ja alles gut.

Das Gute ist: Wir haben heutzutage diese Mittel. Wir sind nicht mehr auf ein Land fixiert. Ich glaube, dieses Konzept—ich bin in einem Land geboren, habe da einen Pass, einen Job, mein Vermögen, meinen Bankaccount, meine Frau, meine Kinder, mein Haus, und dann sterbe ich in dem Land—ist ein veraltetes Konzept.

Mittlerweile haben wir mit Bitcoin-Tools unser Vermögen flexibel internationalisiert. Wir können sehr einfach und flexibel reisen. Und ich glaube, wir müssen uns nicht mehr so darauf fokussieren: Das ist jetzt unbedingt meine Base.

Ich verstehe natürlich, dass es viele Leute gibt, die in diesem Mindset sind: Ich musste jetzt ein Haus kaufen, ich musste jetzt sesshaft werden, und das ist jetzt mein Zuhause. Das brauchen die halt irgendwie, um sich wohlzufühlen. Ich weiß nicht, das ist wahrscheinlich auch ein Zeichen mentaler Anhaftung, wo viele Leute noch in alten Konzepten feststecken.

Aber ich sehe auch, dass viele Leute diese Konzepte über den Haufen werfen und neue Lebenskonzepte entstehen. Und da habe ich das Gefühl, in Deutschland sind sie nicht wirklich offen für andere Lebensformen.

In anderen Ländern, zum Beispiel bei den Amis oder in El Salvador, sind sie total offen für digitale Nomaden. In Deutschland ist es immer noch so: Was, der ist digitaler Nomade? Das ist ja gefährlich, das ist ja ganz komisch.

Wenn du in anderen Ländern bist, weiß ich nicht, wie es in Argentinien ist, ist das sehr akzeptiert. Es gibt Länder, die haben extra Digital-Nomad-Visa und sagen den digitalen Nomaden: Kommt zu uns, wir geben euch Steuervergünstigungen und so weiter. Die haben das erkannt und rollen den roten Teppich aus.

Und in Deutschland habe ich immer noch das Gefühl, dass es keine so abstrakte Lebensform ist, als digitaler Nomade zu leben. Es gibt ja viel abstraktere Formen von Leuten, die sich in Berlin runde Kostüme anziehen und so. Da denke ich mir: Das sind komische Lebensformen. Aber digital und nomadisch ist doch nicht so abstrakt.

Das fand ich teilweise schon schwierig in Deutschland, wie dieses Konzept ankommt. Aber in anderen Ländern ist das etabliert. In El Salvador ist es ganz normal, dass man Expats hat, digitale Nomaden-Communities und so.

Und warum sollte man diese Mittel nicht benutzen? Man kann sich zwei, drei Spots auf der Welt aufbauen und immer entsprechend der Saison hin- und herreisen.

Zum Beispiel ist in Mexiko aktuell Hurricane-Saison. Deshalb komme ich lieber nach El Salvador. Ich war während der Regenzeit in Mexiko, weil dort das Klima dann besser ist. Wenn in El Salvador Regenzeit ist, gehe ich nach Mexiko. Wenn in Mexiko die Hurricane-Saison anfängt, komme ich nach El Salvador.

Dann kann ich vielleicht noch einen dritten Hotspot haben. Wenn es mir in El Salvador irgendwann langweilig wird, komme ich von mir aus zu dir nach Argentinien oder so. So kann man sich das ganz gut aufbauen.

Bei mir ist es oft so: Wenn ich ein halbes Jahr in einem Land bin, finde ich es megageil. Aber nach einem halben Jahr finde ich es auch geil, wenn ich nach Mexiko oder in ein anderes Land komme. Dann denke ich mir: Boah, das ist jetzt wieder etwas Neues, etwas Frisches.

Es ist auch nicht zu viel Stress, einmal im halben Jahr eine Reise zu machen. Dann bin ich ein halbes Jahr in Mexiko, erfreue mich an neuen Wanderwegen und neuen Dingen, die man sich anschauen kann, und komme vielleicht nach einem halben Jahr wieder nach El Salvador zurück. Dann habe ich auch wieder einen frischen Blick darauf und freue mich wieder.

Manchmal vergisst man in seinem Trott so ein bisschen die Betriebsblindheit. Wenn man ab und zu mal einen Seelenwechsel hat, kann das wirklich ein Refresher sein.

Wenn man das ein- oder zweimal im Jahr macht, finde ich es nicht stressig, sondern relativ gut verträglich mit einem guten Tempo. Das ist das, was für mich aktuell funktioniert.

Kann es sein, dass ich irgendwann, wenn ich 50 bin, sage: Okay, ich will mich jetzt unbedingt niederlassen. Ich will zehn Jahre am Stück in einem Land leben? Kann sein.

Aber gerade sehe ich halt auch die Zeit. Man weiß es nicht. Ich könnte jetzt nicht sagen: In 20 Jahren will ich in diesem Land leben und mich dort niederlassen. Wir sehen so viele Verwerfungen, Kriege, Auseinandersetzungen, Bürgerproteste, Länder, die sich irgendwie kannibalisieren und so.

Da glaube ich, dass aktuell die Leute, die flexibel sind, extrem gut durch diese Zeit kommen. Und Leute, die an gewissen Konzepten und Ideen fixiert sind—ich muss jetzt mein Haus in Deutschland haben und ich muss es verteidigen, auch wenn das ganze Land bergab geht—ich glaube, die werden Probleme bekommen.

Aber für Leute, die flexibel sind, tun sich extrem viele Chancen auf. Die können auch arbitrage betreiben, Geo-Arbitrage machen, Wissen aus einem Land nehmen und in einem anderen Land einbringen, wo es vielleicht noch keinen gesetzten Markt gibt. Da gibt es ganz, ganz viele Möglichkeiten.

Aber man muss im Kopf einen Tick flexibel und offen sein, dann steht einem die Welt offen.

Das sehe ich genau gleich. Wenn man sich derzeit anschaut, wo die meisten Leute aus Deutschland auswandern: momentan ein bisschen Zypern, größtenteils Dubai. Sind das noch die Länder, über die wir in zehn Jahren sprechen werden?

Höchstwahrscheinlich nicht. In aller Regel hat ein Land seine besten Phasen vielleicht fünf oder sechs Jahre. Dann kommen so viele Leute, dass sie strengere Gesetze machen, und plötzlich ist es wieder ein anderes Land.

Wenn man einfach ein bisschen flexibel ist und sich anpasst, wird man es definitiv leichter haben.

Sehr spannend. Ganz kurz noch dazu: Wenn zum Beispiel Bukele hier nicht mehr Präsident sein sollte, habe ich auch kein Problem. Dann hatte ich halt drei Jahre eine gute Zeit hier und gehe in das nächste Land, wenn hier irgendein Kommunist oder so kommt. Das weiß man auch nicht.

Auch wenn Milei in Argentinien weg ist, kann es sein, dass es bei dir relativ schnell ungemütlich wird. Das weiß man nicht. Aber wenn es in einem Land bergab geht, geht es woanders wieder bergauf. Man muss einfach ein bisschen mit dem Flow gehen.

Die meisten Leute gehen gegen den Flow: Komme, was wolle, ich bleibe unbedingt in meinem Land. Egal, ob ein Sturm, ein Tsunami oder whatever kommt. Ich schaue lieber, wo das Wetter gut ist, und gehe dann dorthin.

Sehr cool. Über deinen Lifestyle, deine Philosophie und so weiter könnte man noch mehrere Stunden quatschen. Lass uns an der Stelle mal ein bisschen abzweigen, Richtung mehr Krypto, Richtung Bitcoin und so weiter.

Ich habe gelesen, dass du unter anderem auch bei Nakiki involviert bist. Ist das, wenn ich das richtig ausspreche, die Bitcoin Treasury? Kannst du mal ein paar Worte dazu sagen, was das grundsätzlich ist, was deine Rolle und deine Aufgabe sind?

Meine Rolle bei Nakiki ist: Ich bin der Head of Bitcoin Strategy. Das heißt, ich helfe Nakiki bei der Beratung in allem, was mit Bitcoin zu tun hat.

Was wir bei Nakiki machen, ist, eine Bitcoin Treasury aufzubauen. Das bedeutet: Bitcoin kaufen, Bitcoin halten, Bitcoin nicht verkaufen. Sehr, sehr einfach gesagt.

Jetzt ist es tatsächlich so: Stand aktuell hat Nakiki immer noch null Bitcoin. Wir waren sehr stark in diesem Compliance-Trap gefangen. Es ist eine aktiennotierte Firma, die an der Börse gehandelt wird. Sehr einfach heruntergebrochen gibt es teilweise sehr hohe Anforderungen an Wirtschaftsprüfer und Regularien. Es ist ein geregelter Markt.

Da muss man natürlich erst mal diese Company clean machen. Das hat tatsächlich länger gedauert als bislang vermutet. Wir haben jetzt eine andere Firma übernommen, von der wir uns auch Cashflow erhoffen. Und den Cashflow wollen wir natürlich in Bitcoin umwandeln.

Langfristig wollen wir auch Finanztransaktionen machen oder Finanztools emittieren, Wandelanleihen und so weiter, um das Ganze dann in Bitcoin zu swappen.

Wir hatten eigentlich gehofft, dass wir schon früher Bitcoin kaufen können, waren aber ehrlicherweise auch etwas in diesem Compliance-Trap gefangen. Dann ist der Bärenmarkt dazugekommen. Es war sehr schwierig, Kapital einzusammeln. Selbst Saylor hat sich sehr schwergetan, Kapital einzusammeln.

Das haben wir gesehen. Die ganzen Bitcoin Treasuries sind natürlich noch mehr abgekackt als Bitcoin. Da ging es bei allen Treasury Companies eher ums Überleben.

Und jetzt, sage ich mal, haben wir meiner Ansicht nach eine sehr positive Zukunft vor uns. Das heißt, einen Bullenmarkt, in den wir wieder hineinlaufen. Ob wir schon voll in den Bullenmarkt gehen, wahrscheinlich noch nicht. Wir werden wahrscheinlich noch ein paar Rücksetzer haben.

Dementsprechend denke ich, dass Bitcoin nicht nur für Individuen da ist. Bitcoin ist für Firmen da, für Vermögensverwalter, für alle. Ich sehe es als logische Konsequenz, dass früher oder später Firmen Bitcoin halten werden.

Die einen werden das in Form einer Bitcoin-Treasury-Strategie machen und proaktiv über Finanztransaktionen, also Wandelanleihen, Preferred Shares und so weiter, mehr Bitcoin akkumulieren. Oder sie parken einfach die Überschüsse und Profits, die sie in der Firma machen, in Bitcoin.

Denn Bitcoin ist ein überlegenes Treasury-Asset, ein Anlagevehikel, gegenüber Euro oder Dollar. Der Dollar verliert immer mehr an Wert und Bitcoin wird langfristig—natürlich nicht auf Monatsbasis, aber langfristig—steigen. Davon bin ich überzeugt. Da ist Saylor überzeugt, da sind viele Bitcoiner überzeugt.

Ob es dann wirklich 30 Prozent pro Jahr sind, wie Michael Saylor sagt, oder 20 Prozent oder vielleicht in den nächsten Jahren ein Tick mehr, wird sich zeigen. Aber allein dadurch, dass wir Fiat-Geldentwertung gegenüber Bitcoin haben und Bitcoin begrenzt ist, ist es schwierig, dass Bitcoin in den nächsten Jahren nicht steigt, meiner Einschätzung nach.

Vor allem, wenn wir schauen, wie stark die Finanzmärkte mittlerweile unter Druck sind und wie Inflation und alles reinkickt. Da können wir auch noch auf Anleihemärkte eingehen und was da wirklich abgeht. Ich sehe sehr viel positives Backing hinter Bitcoin und bin für die nächsten Jahre sehr bullisch.

Weißt du schon ungefähr, wann ihr tatsächlich mit den Nachkäufen anfangen könnt? Ist die Compliance komplett durch oder läuft das immer noch?

Ich würde sagen, Compliance ist mehr oder weniger durch. Jetzt geht es eher darum, Kapital einzusammeln beziehungsweise Cashflow zu bekommen.

Sobald die ersten Cashflows da sind, ist es natürlich naheliegend, Bitcoin zu kaufen. Dann ist auch die Frage: Was macht der Markt? Man muss natürlich immer ein bisschen schauen. Man kann viel wollen, aber die Frage ist auch, was der Markt macht.

Es ist schwierig zu sagen: an diesem Datum. Ich will niemandem die goldene Kuh versprechen. Wir sind bemüht, so schnell wie möglich, as soon as possible, aber ich will mich nicht festlegen und sagen: Am 20. Oktober kaufen wir 100 Bitcoin. Das wäre unseriös.

Okay. Dann würde mich interessieren, was deine persönliche Meinung zu Strategy ist, als jemand, der selbst bei einer Bitcoin Treasury mitarbeitet. Wie siehst du Strategy? Was ist positiv, was eher negativ? Nicht unbedingt als Investment, sondern was das Unternehmen angeht.

Ich denke, dass es massiv missverstanden wird. Wir haben den gleichen Effekt wie bei Bitcoin: Am Anfang hat es fast jeder missverstanden. Die Leute haben es ignoriert oder falsch abgestempelt als Scam, Betrug oder whatever. Es ist einfach massiv missverstanden.

Das Problem ist: Die Leute verstehen nicht mal wirklich Bitcoin. Und wenn du Bitcoin nicht verstehst, wie willst du dann Strategy verstehen? Und wenn du Strategy nicht verstehst, wie willst du dann die Preferred Shares von Strategy oder die Finanzstrategie von Strategy verstehen?

Wenn wir es ganz einfach herunterbrechen, First Principles, so wie Tesla das beschrieben hat—alles auf First Principles herunterbrechen, in Energie, Frequenz und Schwingung denken—dann müssen wir Fiat-Geld und Bitcoin vergleichen.

Bei Fiat-Geld haben wir ein Geldsystem, das auf Gewalt basiert. Mit Fiat-Geld wird Krieg finanziert. Es basiert auf Zwang, das heißt, du wirst dazu gezwungen, den Euro anzunehmen. Es basiert auf Gier und Angst. Ohne Angst würde Fiat-Geld zum Beispiel auch nicht funktionieren.

Man braucht quasi immer den Feind im Außen, um danach wieder Geld zu drucken, Bailout-Pakete zu machen und so weiter. Wir haben diese ganzen niedrigen Emotionen, und das ist das aktuelle Geldsystem.

Wir haben ein Geldsystem, das gegen die Bevölkerung agiert. Inflation ist Enteignung. Bailout-Pakete sind Enteignungen. Bail-in-Pakete sind genauso Enteignungen, nur von den Gläubigern und nicht durch neu gedrucktes Geld.

Wir haben diesen krassen Umverteilungsmechanismus. Ich gehe für etwas arbeiten, während Jerome Powell in seinem Bunker auf den Knopf drücken und Geld drucken kann, wodurch die gesamte Kaufkraft umverteilt wird. Mittlerweile ist das in den USA Kevin Warsh, und in Europa natürlich Christine Lagarde.

Wenn wir bei Bitcoin schauen, sind wir nicht in diesen Low Frequencies wie Hass, Wut und Angst. Bitcoin ist Friedensgeld. Bei Bitcoin haben wir ein Geld, das auf Fairness basiert. Ich kann niemanden betrügen oder bestehlen, weil es niemanden gibt, der Geld drucken kann.

Es gibt keine Zentralbank, keinen Jerome Powell, keinen Kevin Warsh, keine Christine Lagarde und keinen Staat, der Geld umverteilen kann. Wir haben 21 Millionen Bitcoin. Es lohnt sich auch nicht zu betrügen. Wenn ich eine falsche Transaktion in die Blockchain mache, wird sie von den Minern nicht angenommen.

Wir haben transparente Regeln. Bitcoin ist komplett transparent. Jeder kann Bitcoin einsehen und jeder kann an Bitcoin teilnehmen, egal ob klein, alt, jung, reich oder arm. Bitcoin ist für alle da.

Fiat-Geld ist nicht für alle da. Die Leute, die sehr einfachen Zugang zu Krediten bekommen, werden über den Cantillon-Effekt überproportional reicher. Leute, die keinen Zugang zu Krediten bekommen und deren Geld immer weiter abwertet, verarmen und bleiben auf der Strecke.

Das wird bei Bitcoin komplett umgedreht. Um es herunterzubrechen: Bitcoin hat sehr hohe Energie, extrem hohe Schwingungen, Liebe, Harmonie, Transparenz und ist Friedensgeld. Fiat-Geld hat sehr niedrige Energie, Angst, Hass, Wut und ist Kriegsgeld.

Und wenn wir das jetzt transformieren: Was macht Michael Saylor? Ganz einfach formuliert—im Detail ist es natürlich nicht ganz so—er nimmt Kapital auf, verschuldet sich in Fiat-Geld, in sehr schlechtem, sehr destruktivem Geld, und holt sich davon die höchste Form monetärer Power, die es gibt: Bitcoin.

Er ist so etwas wie ein Energiewandler. Er wandelt Kriegsgeld in Friedensgeld um. Das ist etwas, das viele nicht verstanden haben, auch auf einer spirituellen Ebene. Es ist so etwas wie ein spiritueller Angriff gegen die satanistische Welt, in der wir leben, die in diesem Fiat-Konstrukt steckt.

Natürlich mag der eine oder andere sagen, das sei übertrieben. Michael Saylor ist nicht die Mutter Teresa, die die ganze Welt bekehren wird und wir danach alle in friedlicher Harmonie leben.

Aber ich sehe es als sehr krass an, weil das Krasseste, was du auf monetärer Ebene machen kannst, ist, Bitcoin zu kaufen. Das Einzige, was du noch toppen kannst, ist, Bitcoin über das korrupte Fiat-System zu hebeln und das Fiat-System zu benutzen, um das Fiat-System einstürzen zu lassen und Bitcoin zu stärken.

Das ist so etwas wie eine spekulative Attacke auf den Euro und den Dollar. Und je mehr Leute so etwas machen wie Saylor—egal in welcher Form, ob Privatkredit, Preferred Shares, Wandelanleihen oder andere Finanzinstrumente, die man benutzt, um den Dollar und den Euro zu shorten und Long Bitcoin zu gehen—desto mehr wird das System, das zum Fallen prädestiniert ist, geschwächt.

Der Euro wird fallen, der Dollar wird fallen, das wird sowieso crashen. Aber je mehr Leute das machen, desto mehr wird das Ganze beschleunigt und desto mehr wird Bitcoin gestärkt.

Ich verstehe natürlich die Kritik. Wir haben ein Zentralrisiko, also einen Central Point of Failure. Michael Saylor könnte morgen einen Schuss bekommen oder mit dem Bitcoin irgendeinen Scheiß machen. Wir haben Coinbase-Custody-Risiko und Third-Party-Risiko.

Deshalb würde ich auch niemandem sagen: Geh all-in in MicroStrategy und habe immer den Großteil deines Bitcoin in Self-Custody. Aber wenn du einen smarten Hebel haben willst, hat Michael Saylor viel bessere Möglichkeiten, sein Kapital zu hebeln, als der Private.

Der Private kann sich vielleicht einen Margin Loan holen, aber der liegt dann bei vier, fünf oder sechs Prozent. Michael Saylor kann Preferred Shares nutzen, die er gar nicht tilgen muss. Das geht als normaler Investor nicht. Früher hatte er Wandelanleihen, die er quasi zu null Prozent bekommen hat. Das geht als normaler Investor ebenfalls nicht.

Er hat Möglichkeiten, die ein Privatinvestor nicht hat. Wenn jemand privat nicht Bitcoin-Zentralbank spielen will, kann er natürlich zu Saylor, zu Strategy oder zu anderen gehen. Aber man muss auch aufpassen. Bei Metaplanet sind zum Beispiel komische Sachen passiert. Bei der Vergütung gab es sehr viele, sage ich mal, shady Dinge, die im Nachhinein herausgekommen sind.

Man hat also immer dieses Drittparteirisiko. Und deshalb ist es auch das Geile: Wenn du einfach nur Bitcoin hältst, profitierst du ebenfalls von den Treasury Companies. Wenn viele Treasury Companies Bitcoin kaufen, steigt auch der Bitcoin-Preis.

Wenn du dieses Drittparteirisiko nicht haben willst, hol dir einfach Bitcoin. Wenn du aber smart gehebeltes Bitcoin willst, dann überleg dir Strategy, Smarter Web Company oder Sonstiges. Schau dir an, ob das für dich Sinn macht. Man muss ja auch nicht mit 50 Prozent dabei sein, sondern kann mit ein, zwei Prozent dabei sein und sich das anschauen.

Ich finde auf jeden Fall sehr spannend, was Michael Saylor macht. Habe ich meine Kritikpunkte an Saylor? Ja, natürlich. Finde ich, dass da niemals etwas passieren kann? Nein, es gibt definitiv ein Risiko.

Aber es ist auch nicht dieses Dämonische, bei dem viele Leute sagen: Wenn Bitcoin auf 10.000 Dollar fällt, ist Michael Saylor sofort liquidiert. Die verstehen das gar nicht. Die Hebelquote von Saylor ist gar nicht wirklich so hoch.

Und auch wenn es eine Aktienverwässerung gibt, geht die Hebelquote nicht hoch, sondern sogar runter. Das sind Mechanismen, die viele gar nicht verstehen. Das ist ganz grob zusammengefasst mein Take dazu.

Sehr spannend. Wie du Strategy gerade erklärst, habe ich das in dieser Form noch nie gehört, mit Friedensgeld und so weiter. Das fand ich sehr gut.

Bist du denn selber auch in Strategy investiert? Bist du selbst Investor von Strategy?

Ja, ich habe auch Strategy selbst.

Okay. Ich höre schon heraus, ich frage lieber nicht tiefer nach. Gut, wir haben über Strategy und Bitcoin schon viel gesprochen. Wie sieht es bei dir bezüglich Altcoins aus? Was hältst du von Altcoins? Würdest du dich selbst als Bitcoin-Maximalist bezeichnen?

Ich meine, jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen. Ich bin jetzt nicht so der Altcoin-Fan. Fiat und Euro sind tendenziell auch Altcoins. Manche sagen, für Ethereum gibt es eine Berechtigung oder für irgendeinen anderen Altcoin.

Bei Bitcoin ist es so, dass ich sagen kann: Das ist sehr seriös. Das kann ich auch jemandem mit gutem Herzen empfehlen. Da kann ich drüber sprechen. Deshalb heißt es auch Bitcoin Hotel und nicht Krypto- oder Shitcoin-Hotel.

Da stehe ich voll dahinter. Für mich macht die Dezentralität Sinn. Bei vielen anderen Projekten haben wir gesehen: Da gab es Scams, zentrale Parteien, Betrügereien und teilweise sehr komische Incentive-Strukturen.

Ich sage nicht: Macht gar keine Altcoins. Ich sage: Unterscheidet zwischen Bitcoin und Krypto. Solange ihr das unterscheiden könnt—es gibt Bitcoin und dann lange nichts, danach kommen Altcoins, aber die haben nicht wirklich etwas miteinander zu tun, es sind zwei verschiedene Töpfe—solange ihr das unterscheiden könnt, macht eure Erfahrungen.

Wir sehen aber auch sehr viele Leute in der Vergangenheit, die besser gefahren wären, wenn sie einfach nur Bitcoin gekauft hätten.

Ja, ich weiß, du bist da, glaube ich, nicht so maximalistisch unterwegs wie ich. Da muss jeder seinen Weg finden. Vielleicht hast du noch einen Take dazu. Ich bin eher auf der Seite des Bitcoin-Maximalismus, wobei man beim Maximalismus aufpassen muss, weil man sehr schnell dogmatisch wird.

Das war bei mir am Anfang auch so. Dann dachte ich: Bitcoin, jetzt zwei Jahre, dann ist das traditionelle Finanzsystem vorbei und Bitcoin übernimmt alles. Aber es geht doch nicht so schnell, es braucht noch ein bisschen Zeit.

Du sprichst mir aus der Seele. So ging es mir damals auch, als ich zum ersten Mal in das Rabbit Hole bei Bitcoin eingestiegen bin. Da dachte ich: Das ist sehr klar, nur Bitcoin, das Finanzsystem wird bald kollabieren und so weiter. Ich war auch ein Stück weit dogmatisch.

Da wieder herauszukommen, ist gar nicht so leicht. Man muss auch entsprechend offen dafür sein. Mittlerweile würden die meisten Altcoin-Investoren wahrscheinlich sagen, ich sei ein Bitcoin-Maximalist, weil ich nichts anderes halte als Bitcoin.

Aber ich benutze beispielsweise andere Blockchains, um Bitcoin zu hebeln. Das, was Michael Saylor mit Krediten und so weiter macht, kann man auch im DeFi-Space, also Decentralized Finance, teilweise selbst mit Protokollen machen, sodass das Ganze dezentral ist.

Da bin ich persönlich Fan davon. Das ist nicht natives Bitcoin, weil es nicht über die Bitcoin-Blockchain läuft, sondern zum Großteil über Ethereum. Aber immer noch mit einem Wrapped Bitcoin, also quasi nur in Bitcoin investiert, während man die Blockchain einer anderen Plattform nutzt. Da bin ich persönlich ein Fan davon.

Darf ich dir dazu eine fiese Frage stellen? Ich habe damals ein bisschen verfolgt, was mit Julian Hosp und DeFiChain passiert ist. Ich weiß, dass du teilweise auch in diesen Berichten dabei warst und das empfohlen hast. Hast du dazu etwas zu sagen? Wie ist das zustande gekommen? Mich würde dein ehrlicher Bericht oder dein Take dazu interessieren.

Ich war ursprünglich erst mal voll Bitcoin. Irgendwann, ich würde sagen 2018 oder 2019, hat es angefangen, dass ich mich für Altcoins interessiert habe. Und dann habe ich 2020 oder 2021, ich glaube 2020, zum ersten Mal von DeFiChain mit Julian Hosp gehört.

Julian Hosp war damals im deutschsprachigen Raum eine Koryphäe, was Bitcoin angeht, und ein sehr großer Befürworter von Krypto, was heutzutage nicht unbedingt der Fall ist. Ich habe damals immer ein bisschen zu Julian hochgeschaut und dachte: Wenn Julian sagt, hier ist ein cooles Projekt, dann ist es ein cooles Projekt. Im Nachhinein betrachtet war das sehr, sehr naiv.

So bin ich ursprünglich mit Spielgeld in das Ganze hinein. Als ich die Vision gehört habe, da sollen tokenisierte Aktien auf die Blockchain kommen, dachte ich: Das ist die Zukunft. Dezentrale Aktien—heutzutage noch mit Öffnungszeiten und diesem ganzen Quark. Wenn man die Blockchain nutzen kann, eine transparente Blockchain mit Aktien, ist das doch ein No-Brainer.

Es ist günstig, jeder hat Zugriff. Wenn du heute in El Salvador bist, ist es teilweise echt schwierig für die Leute, an Aktien zu kommen, auch in Venezuela oder so. Wenn man ein dezentrales System hat, funktioniert das Ganze.

Das hat mich damals richtig gecatcht: dezentrale Aktien. Da dachte ich: Das wird die Blockchain mit dezentralen Aktien. Und dann war ich komplett in dieser Community drin. Diese Erfahrung machen wahrscheinlich relativ wenige Leute beziehungsweise im Altcoin-Markt relativ viele: dass man einfach mal so …

Hast du ihn auch mal selbst getroffen?

Nein. Es gibt so viele Gerüchte, dass ich daheim Geld bekommen hätte oder keine Ahnung was. Ich hatte nicht ein einziges Meeting mit Julian, habe ihn nie persönlich getroffen, gar nichts. Ich war einfach nur Fan von diesem Projekt.

Und es lief auch eine gute Zeit echt gut, auch als Investment. Dann ging es irgendwann einfach nur noch bergab. Das war auch der Zeitpunkt, an dem meine Videos auf YouTube schrittweise immer kritischer wurden.

Dann fing es an, dass ich aus der Community herausgeekelt wurde, mit sehr viel Toxizität, Shitstorms und allem Möglichen. Ich habe teilweise mehrere Tage gar nicht mehr auf YouTube oder Social Media geschaut, weil da die ganze Zeit toxische Kommentare waren: „Du willst jetzt nur das Projekt schlechtmachen“ und keine Ahnung was.

In Wirklichkeit habe ich nur versucht, ein bisschen Aufklärung zu betreiben, dass da momentan wirklich die Bude brennt. Und irgendwann habe ich gesagt: Nein, ich kann da nicht mehr guten Gewissens darüber sprechen.

Würdest du sagen, dass das, was die abgezogen haben, ein Scam ist? Offiziell ist Julian Hosp ja nicht verurteilt oder so etwas.

Um ehrlich zu sein, habe ich zu wenig Insider-Informationen, um das wirklich sagen zu können. Von dem, was ich weiß—nein, ich kann es dir ehrlich gesagt nicht sagen. Ich persönlich würde es nicht als Scam bezeichnen.

Die meisten sehen ihn ja als Scammer. Ich würde vielleicht eher kritisieren, dass seine Kommunikation bezüglich des Projekts vielleicht sehr … da hat mehr das Unternehmen gesprochen und nicht sein Herz. So ein bisschen Integrität. Das war das, was ich damals zumindest empfunden habe.

Aber keine Ahnung, ich bin jetzt auch niemand, der nachtragend ist. Jeder ist für sein eigenes Geld verantwortlich. Wenn jemand die Entscheidung trifft, in einen Altcoin zu investieren, dann ist es die Schuld desjenigen, der die Entscheidung getroffen hat. Das ist zumindest meine Ansicht.

Natürlich ist es etwas anderes, wenn man auf YouTube Videos macht und sagt: Hey, du musst jetzt in dieses Projekt investieren. Dann hat man natürlich eine Teilschuld.

Im Nachhinein betrachtet: Es gibt viele in meiner Community, die mit dem Projekt gutes Geld verdient haben, aber auch viele, die voll auf die Schnauze gefallen sind. Und jetzt im Nachhinein betrachtet—ich habe darüber schon öfter gesprochen—ist es nichts, wofür ich mich schäme.

Das war einfach mein Werdegang. Ich musste auch lernen, mit der Verantwortung als YouTuber umzugehen. Das kennt man vorher gar nicht. Wenn plötzlich Leute einem blind nachmachen, obwohl man das gar nicht möchte, gibt es diese Leute auf YouTube trotzdem.

Es war definitiv eine lehrreiche Erfahrung, würde ich sagen. Aber es ist kein Projekt, bei dem ich in die Vergangenheit schaue und denke: Oh Gott, damals habe ich diesen Scam empfohlen. Nein, darüber stehe ich voll.

Die Videos sind zum Großteil noch online. Ich habe nur vor Kurzem einen Teil davon offline genommen, weil ich immer noch Kommentare darunter bekommen habe und dachte: Ah nee, es ist irgendwie nicht so toll, wenn Leute das anschauen und denken, das Projekt existiert noch, obwohl der Shitcoin mittlerweile nur noch einen Bruchteil eines Cents wert ist.

Das ist die Story in Kurzfassung. Dieser Exkurs zu DeFi war jetzt nicht geplant, aber gut, dass wir das besprochen haben.

Ich habe vielleicht noch zwei, drei weitere Fragen. Danke für die ehrlichen Worte.

Jederzeit. Da können wir auch gerne irgendwann separat noch mal darüber quatschen. Ich habe keinerlei Geheimnisse oder sonst was. Darüber stehe ich voll.

Vielleicht noch ein paar weitere Fragen bezüglich deiner eigenen Investmentphilosophie. Wie ist derzeit, nur grob in Prozent, dein eigenes Portfolio strukturiert? Wenn man den Krypto- beziehungsweise Bitcoin-Teil und den Nicht-Bitcoin-Teil nimmt: Bist du eher in dem Camp, dass Bitcoin für dich das Asset ist, das den Großteil deines Portfolios ausmacht?

Ich habe ja vorher gesagt, dass ich sehr ungünstigerweise einen großen Unfall hatte und meine Bitcoin verloren habe. Aber wenn wir jetzt rein hypothetisch davon ausgehen, dass ich meine Bitcoin nicht verloren hätte und tatsächlich noch Bitcoin hätte, würde ich natürlich den Großteil in Bitcoin halten.

Einfach auch, weil es für mich energetisch das ist, was am meisten Sinn macht. Natürlich kann man ein bisschen Aktien dazunehmen. Man muss aber auch immer wissen, dass man sie nicht wirklich besitzt. Aktien sind sammelverwahrt und können einem weggenommen werden.

Ich glaube, auch das Thema „The Great Taking“ wäre eine ganz eigene Folge: Was The Great Taking ist und wie auch Aktienvermögen enteignet werden können.

Immobilien sehe ich nicht wirklich als gute Asset-Klasse. Das kommt darauf an, wo man ist, aber es ist viel zu kompliziert. Anleihen kann man eigentlich wegwerfen.

Aktien sind teilweise interessant, wenn man zum Beispiel Treasury Companies hat, was quasi ein Hebel auf Bitcoin ist. Ansonsten bin ich kein Stockpicker. Wenn ich Aktien kaufen würde, würde ich mir wahrscheinlich eher einen Index oder Treasury Companies holen. Von Anleihen würde ich komplett die Finger lassen.

Wie sieht es mit Gold und Edelmetallen aus?

Schwierig. Man muss sie ja wieder irgendwo einlagern. Wenn man als digitaler Nomade unterwegs ist, kann man es schon machen. Gold ist bestimmt nichts Schlechtes.

Aber es ist halt so: Wir investieren in die Pferdekutsche, wenn es Raketen gibt. Wenn man ehrlich ist, verkaufen alle Freunde, die Bitcoin verstanden haben, ihr Gold und kaufen Bitcoin.

Ich verstehe den Diversifizierungsgrund: Es gibt vielleicht ein oder zwei Prozent Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin von einem Quantencomputer aufgegessen wird, ein großer Hacker kommt oder irgendetwas passiert. Man hat es bei Coldcard gesehen, es können Black-Swan-Momente passieren. Das verstehe ich schon, aber ich habe es nie so ganz gefühlt.

Was für mich intuitiv immer am meisten Sinn gemacht hat, ist Bitcoin. Auch aus dieser energetischen Sicht, weil wir damit dieses neue Finanzsystem stützen, weil wir unser Geld nicht in Form von Fiat-Derivaten haben, sondern wirklich Teil von Bitcoin sind.

Ich finde auch das Konzept von Michael Saylor sehr geil: Man geht mit seinem Bitcoin ins Grab, und die Bitcoin werden dann auf das ganze Bitcoin-Netzwerk umverteilt. Michael Saylor hat gesagt, er nimmt seine ganzen Bitcoin mit ins Grab oder einen Großteil davon. Das finde ich ein sehr interessantes Konzept.

Damit fühle ich mich am allerwohlsten. Und die Volatilität juckt mich null. Mittlerweile ist das schon gar keine Volatilität mehr. Die Leute drehen durch wegen 50 Prozent Volatilität. Wenn du 2017 schon bei Bitcoin dabei warst, lachst du über das, was aktuell in diesem Bärenmarkt passiert.

Das ist gar kein Bärenmarkt—übertrieben formuliert. Natürlich ist es schon ein Bärenmarkt, aber Volatilität juckt mich nicht wirklich.

Wenn ich Bitcoin hätte, würde ich den Großteil in Bitcoin halten. Von mir aus kann man noch ein paar andere Sachen machen. Aber dieses klassische Investorenportfolio mit 20 Prozent Anleihen, 20 Prozent Aktien, 20 Prozent Gold, einer Immobilie und ein bisschen Bitcoin als Beimischung finde ich schwierig.

Meiner Einschätzung nach hat das moderne Portfolio den Großteil in Bitcoin und dann noch ein paar Inseln dazu.

Ja, das kann ich absolut nachvollziehen. Bei mir ist es ähnlich. Ich habe leider auch meine Bitcoin verloren. Wenn ich noch welche hätte, würde ich es demnächst wahrscheinlich genau gleich machen.

Spannend. Ich gehe da auch voll mit, mit dem Ethos hinter Bitcoin. Das ist auch das, womit ich mich persönlich am meisten identifiziere. Im Herzen bin ich da nach wie vor.

Auch wenn die meisten Bitcoin-Maximalisten sagen würden: Was, der nimmt dieses Wort in den Mund? Ich würde mich tatsächlich als Bitcoiner bezeichnen. Selbst wenn ich mal in Altcoins investiere, was ich derzeit nicht vorhabe, bin ich offen dafür—aber dann nur, damit ich im Endeffekt mehr Bitcoin kaufen kann, nicht um in diesen Altcoin-Club zu kommen und mich daran festzuklammern.

Ich glaube, das ist auch ein wichtiges Mindset: Altcoins sind nicht dazu da, sie bis ins Ultimo zu halten, sondern wenn dann zur Maximierung von Bitcoin. Dann muss man überlegen, ob sich der Stress lohnt.

Oftmals denkt man, man maximiert es, macht es im Endeffekt aber doch nicht. Es ist natürlich auch ein Transaktionsmedium. Ich benutze den Dollar oder den Euro, das sind natürlich auch Shitcoins. Aber ich habe so wenig Dollar und Euro wie möglich, weil ich mich damit einfach nicht wohlfühle.

Manche Leute haben Millionen auf ihren Bankkonten herumliegen. Da denke ich mir: Hey, keine Ahnung.

Ja, kann ich nachvollziehen. Gut, dann vielleicht noch die letzten zwei Fragen. Du hast eine Frage gerade schon angeschnitten, zum Thema Bärenmarkt und so weiter. Was ist deine Einschätzung dazu? Ist der Bärenmarkt jetzt tatsächlich vorbei? Haben wir bei Bitcoin schon den finalen Boden gesehen und sind wir jetzt schon im Bullrun?

Meine Sicht auf Bitcoin ist, dass wir in einem übergeordneten Superzyklus sind. Diese Bullen- und Bärenmärkte beziehungsweise Vierjahreszyklen gibt es natürlich. Da sind wir in einem kleinen Bärenmarkt. Aber übergeordnet sind wir über die letzten 17 Jahre in einem absoluten Superzyklus, und da sind wir immer noch drin.

Dieser Bullen- und Bärenmarkt ist im Endeffekt nur ein bisschen Neues. Aber ich weiß natürlich, die Leute wollen wissen: Geht es jetzt hoch, geht es runter, wo geht der Preis hin, sind wir bei 100.000? Die Preisprognose darf natürlich nicht fehlen.

Wir brauchen ja etwas fürs Pumpen, ne?

Genau. Preisprognose: unendlich. Das ist das Einzige Seriöse, was man bei Bitcoin sagen kann. Wenn ich sage, Bitcoin geht auf 100.000, fängt das Potenzial nicht ein. 200.000 oder 300.000 fangen das Potenzial auch nicht ein.

Vor allem bewerten wir das in einer Maßeinheit, die einfach Gülle ist. Dollar oder Euro sind keine relevante Maßeinheit. Wenn wir eine Unze Gold bepreisen würden, wäre das vielleicht noch einigermaßen okay. Aber selbst Gold ist nicht limitiert.

Gold wird irgendwann komplett oder nahezu seinen Wert verlieren, weil wir es so günstig abbauen können. Das ist jetzt natürlich sehr weit gedacht. Es ist nicht so, dass Gold morgen wertlos wird.

Wenn wir durch technologischen Fortschritt Gold immer einfacher abbauen können und Fiat-Geld aus dem Nichts drucken können, wird alles, womit wir Bitcoin bemessen, langfristig gegenüber Bitcoin auf null fallen. Auch Gold und alles andere.

Deshalb ist die einzige seriöse Bitcoin-Preisprognose, die man überhaupt machen kann: Bitcoin auf unendlich. Dann ist die Frage, wie schnell das passiert—ob es Hyperinflation gibt oder ob es einen technologischen Durchbruch gibt und Gold sehr einfach gefördert werden kann.

Das ist der lange Zeithorizont und die lange Perspektive auf Bitcoin und deshalb auch dieser übergeordnete Superzyklus.

Und jetzt die Frage mit dem Bärenmarkt: Ich denke schon, dass wir langsam heraus sind. Historisch hätten wir vor fünf Tagen, laut historischem Trend, oder vor vier Tagen, exakt den Boden machen müssen.

Wahrscheinlich haben wir den Boden vielleicht schon im August gemacht und sind einfach zwei Monate verschoben. Wir haben schon öfter gesehen, dass der Vierjahreszyklus leicht gebrochen wird.

Dieses Mal hatten wir das All-Time High vor dem Halving. Dann hatten wir jetzt das mögliche Low auch zwei Monate vor dem eigentlichen Low. Es gibt gewisse kleine Verschiebungen.

Wir hatten auch dieses 3-1-Meme gebrochen. Es waren immer drei grüne Jahre und ein rotes: drei positive Jahre, gefolgt von einem negativen Jahr. Das haben wir auch gebrochen.

Ich weiß nicht, ob man noch davon reden kann, dass wir in diesem klassischen Vierjahreszyklus sind. Annähernd sind wir vielleicht noch dort. Im Power Law haben wir auch noch Potenzial nach oben.

Im Power Law müssten wir, ich könnte mich jetzt darauf festnageln lassen, vielleicht nicht zu 100 Prozent richtig liegen, schreibt es in die Kommentare, wahrscheinlich bis 2027 mindestens 200.000 oder so sehen.

Historisch hat das immer ganz gut gepasst. Wir waren jetzt an diesen Low-Bändern eher unten, teilweise hätten wir das Power Law fast nach unten durchbrochen. Wenn wir in dieser Low-Phase, in der wir bei Bitcoin ganz unten waren, mit 60.000 noch vier oder fünf Wochen länger in dieser Range geblieben wären, wäre das Power Law kurzfristig vielleicht nach unten gebrochen worden.

Aber das ist nicht passiert. Das Power Law hat wieder gehalten. Deshalb sehe ich für diesen Zyklus die 100.000 ganz locker, neue All-Time Highs auf jeden Fall, und wahrscheinlich werden wir auch die 200.000 ankratzen.

Sehr spannend. Gut, wir haben jetzt schon deutlich länger geplaudert, als ich ursprünglich geplant habe. Aber ich merke schon: Mit dir kann man so viele Exkurse machen, das macht richtig Spaß.

Gibt es etwas, das du seit der Auswanderung an Deutschland wirklich vermisst? Etwas, bei dem du sagst: Mann, das in Deutschland …

Es gibt eines, und das ist Fahrradfahren. Es ist sehr, sehr schwierig. Ich weiß nicht, wie das in Argentinien ist, aber in El Salvador gibt es keine wirklichen Fahrradwege.

Man kann natürlich Motocross fahren. Das ist geil, das kann man in Deutschland nicht machen, das geht in El Salvador. Aber ich finde es schon auch geil, wenn man ein bisschen etwas macht und nicht einfach nur stur auf der Maschine sitzt.

Wobei ich da auch meinen Blick ändern musste. Früher habe ich immer gedacht: Motocross ist doch kein Sport. Mittlerweile habe ich festgestellt: Doch, es ist sehr wohl ein Sport.

Wenn ihr mal geile Motocross-Strecken fahrt, junge, junge. Oder wenn ihr mal den Berg nicht mehr hochkommt und euch mit dem Motocross irgendwie den Berg hochkämpfen müsst: Schwitzen, Muskelkater in den Fingern und Armen—das ist brutal.

Früher habe ich Schach in dieselbe Kategorie eingeordnet. Das war für mich auch nie ein Sport. Aber wahrscheinlich muss ich mich bei Schach korrigieren, genauso wie bei Motocross.

Wenn ich sagen müsste, was ich am meisten an Deutschland vermisse, dann sind es die Fahrradwege und das Fahrradfahren.

Wow, sehr interessante Antwort. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Aber cool, du hast absolut recht. Gerade in Südamerika ist der Verkehr im Allgemeinen etwas chaotischer. Er funktioniert einfach chaotischer. Und da noch mit dem Fahrrad herumzufahren, ist umso interessanter.

Es ist natürlich auch interessant, dass Deutschland einer der Hauptinvestoren von Radwegen in Peru ist. Das ist absolut abstrus, wenn man mal hier war. Ich habe einen Kumpel, der in Peru war und sich die Fahrradwege angeschaut hat. Die haben da gar nichts wirklich gemacht, einfach normale Wege übermalt, irgendetwas hingesprüht, massiv viel Geld verlangt, und das ist natürlich nachher in irgendwelche Taschen geflossen.

Wenn man hier gelebt hat oder so wie du mal in Mexiko oder El Salvador oder Argentinien gelebt hat, macht es null Sinn, hier in Fahrradwege zu investieren, weil das Gelände es einfach nicht hergibt. In Mexiko vielleicht noch eher, da wäre es schon gegangen. Aber in El Salvador kannst du es komplett vergessen.

Ja, absolut.

Marc, das hat mega Spaß gemacht. Du kannst gerne noch häufiger auf meinen Kanal kommen. Wenn du mal ein Thema hast, meld dich jederzeit. Und Leute, falls ihr noch irgendwelche Fragen habt, auch Fragen für das nächste Gespräch, schreibt das gerne unten in die Kommentare.

Hoffentlich sehen wir dich bald wieder. Mach's gut, viel Erfolg noch in El Salvador und ciao, ciao.

Peace out, ciao, danke dir.

Automatisch erstellt (Speech-to-Text) und KI-gestützt sprachlich bereinigt. Es gibt den gesprochenen Inhalt wieder, kann aber vereinzelt Fehler enthalten.

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In diesem Video mit Marc Guilliard lernst du über seinen Werdegang, die Geschichte hinter dem Bitcoin Hotel sowie seine Lebensphilosophie.

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